Warum haben Jungen in der Schule häufiger Schwierigkeiten?
- Nini Janni
- 8. Feb.
- 3 Min. Lesezeit

In der Grundschule zeigen sich bereits deutliche Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen in ihrer Entwicklung. Diese Differenzen setzen sich oft in der Mittelstufe fort und führen zu langfristigen Herausforderungen im Bildungssystem. Jungen sind häufiger von Schulabbrüchen betroffen, haben schlechtere Noten und zeigen öfter Verhaltensauffälligkeiten als Mädchen. Doch woran liegt das? Und wie kann das Bildungssystem besser auf ihre Bedürfnisse eingehen?
1. Herausforderungen für Jungen in der Grundschule
a) Spracherwerb und Leseverständnis
Jungen haben im Durchschnitt einen langsameren Spracherwerb als Mädchen. Da der Unterricht stark sprachbasiert ist, kann dies bereits in der Grundschule zu Problemen führen:
Geringere Lesemotivation: Jungen haben oft weniger Interesse am Lesen und entwickeln seltener eine Leselust als Mädchen.
Schwierigkeiten im Leseverständnis: Sie brauchen mehr Zeit, um Texte zu erfassen, und haben oft Probleme mit langen, komplexen Anweisungen.
Schlechtere schriftliche Ausdrucksfähigkeit: Da Jungen eine langsamere Feinmotorik-Entwicklung haben, fällt ihnen das Schreiben schwerer.
b) Bewegungsdrang und Konzentration
Jungen haben oft einen stärkeren Bewegungsdrang als Mädchen. Dies führt dazu, dass sie:
Schwierigkeiten haben, lange stillzusitzen und sich zu konzentrieren.
In einem traditionellen Klassenzimmer mit Frontalunterricht benachteiligt sind.
Häufiger ermahnt werden, weil sie sich ablenken lassen oder stören.
c) Sozial-emotionale Herausforderungen
Jungen sind oft impulsiver und haben eine geringere emotionale Selbstregulation als Mädchen.
Sie werden häufiger für ihr Verhalten bestraft und entwickeln so ein negatives Verhältnis zur Schule.
Sie bevorzugen direkte, körperliche Auseinandersetzungen, während Konflikte bei Mädchen oft verbal gelöst werden.
Diese Faktoren führen dazu, dass Jungen in der Grundschule häufiger schlechte Noten bekommen und früh das Gefühl entwickeln, dass Schule "nicht für sie gemacht" ist.
2. Schwierigkeiten für Jungen in der Mittelstufe
In der Mittelstufe verstärken sich viele der Herausforderungen aus der Grundschule:
a) Steigende Anforderungen im sprachlichen Bereich
Mehr schriftliche Arbeiten: Da Jungen häufiger Defizite im Schreiben und Lesen haben, geraten sie in der Mittelstufe weiter ins Hintertreffen.
Geringere mündliche Beteiligung: Sie vermeiden es eher, sich im Unterricht zu melden, weil sie unsicher sind.
Wachsende Frustration: Wenn sich schlechte Noten häufen, verlieren sie weiter an Motivation.
b) Wenig Praxisbezug im Unterricht
Jungen lernen oft besser durch praktisches Handeln. Viele Unterrichtsmethoden in der Mittelstufe sind jedoch abstrakt und theoretisch, was zu:
Sinkendem Interesse an Naturwissenschaften führen kann, wenn der Unterricht zu wenig experimentell ist.
Schlechten Mathe-Leistungen, weil Rechenwege ohne Praxisbezug schwer nachvollziehbar sind.
c) Fehlende emotionale Unterstützung
Wenig Lob und Ermutigung: Da Jungen häufiger mit negativem Feedback konfrontiert werden, verlieren sie das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten.
Erhöhtes Risiko für Verhaltensauffälligkeiten: Frust führt dazu, dass Jungen sich zurückziehen oder aggressives Verhalten zeigen.
Geringere Anpassungsfähigkeit an starre Schulstrukturen.
Diese Probleme führen dazu, dass Jungen in der Mittelstufe überproportional oft schlechte Schulabschlüsse haben oder die Schule ganz abbrechen.
3. Wie kann das Bildungssystem Jungen besser unterstützen?
a) Mehr Bewegung in den Unterricht integrieren
Dynamische Sitzmöglichkeiten und Stehpulte anbieten.
Lernspiele und interaktive Elemente in den Unterricht einbauen.
Regelmäßige Bewegungspausen ermöglichen.
b) Mehr praktische und visuelle Lernmethoden
Hands-on-Experimente und praxisnahe Aufgaben einführen.
Multisensorische Lehrmethoden nutzen, z. B. durch Videos, Rollenspiele oder Gruppenprojekte.
c) Sprache spielerisch fördern
Jungen gezielt Lesemotivation vermitteln, indem sie an spannenden Themen arbeiten können.
Alternative Ausdrucksformen anbieten, z. B. mündliche Präsentationen statt nur schriftliche Arbeiten.
d) Positive Verstärkung statt Strafen
Jungen ermutigen, statt sie nur zu maßregeln.
Ein gesundes Selbstbewusstsein fördern, indem individuelle Stärken anerkannt werden.
4. Wie können Lehrkräfte und Eltern gezielt Jungen unterstützen, ohne Mädchen zu benachteiligen?
a) Differenzierte Lernstrategien für alle
Flexible Unterrichtsmethoden, die sowohl Jungen als auch Mädchen entgegenkommen.
Gehirn-gerechtes Lernen, das verschiedene Sinne anspricht und unterschiedliche Lerntypen berücksichtigt.
Projektbasierte Lernformen, die Mädchen durch strukturierte Aufgaben und Jungen durch aktive Teilnahme einbinden.
b) Rollenbilder und Erwartungen überdenken
Keine Stereotypen verstärken: Jungen sollten genauso zur Sprache gefördert werden wie Mädchen, während Mädchen ermutigt werden sollten, sich für Technik und Naturwissenschaften zu interessieren.
Individuelle Stärken fördern: Lehrer sollten Jungen gezielt in Bereichen unterstützen, in denen sie Schwierigkeiten haben, ohne Mädchen dabei zu vernachlässigen.
c) Mehr männliche Vorbilder in der Bildung
Männliche Lehrkräfte oder Mentoren können helfen, Jungen positive Identifikationsfiguren zu bieten.
Jungen benötigen Vorbilder, die ihnen zeigen, dass Bildung und soziale Kompetenz erstrebenswerte Werte sind.
d) Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern
Eltern über geschlechtsspezifische Herausforderungen aufklären, um das Lernumfeld zu Hause zu verbessern.
Austausch zwischen Lehrkräften und Eltern intensivieren, um individuelle Fördermaßnahmen für Jungen und Mädchen besser zu gestalten.
Fazit
Jungen haben oft schwerere Startbedingungen in der Schule als Mädchen. Viele ihrer natürlichen Stärken wie Bewegung, Praxisbezug und visuelles Lernen werden im Bildungssystem nicht ausreichend berücksichtigt. Stattdessen geraten sie durch sprachliche Herausforderungen, Bewegungsdrang und negative Schulerfahrungen oft in eine Abwärtsspirale. Um Jungen erfolgreicher durch die Schulzeit zu begleiten, braucht es mehr Bewegung, praxisnahen Unterricht und eine positivere Lernkultur. So können sie nicht nur besser lernen, sondern auch langfristig motivierter und erfolgreicher in der Schule sein.
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